Katzenfreunde Norddeutschland e.V.
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Toxoplasmose
Die meisten Paare, die bereits in jungen Jahren, oftmals noch als Single, Ihr Leben mit einem samtpfotigen Hausgenossen teilten, stehen irgendwann einmal vor dem Wunsch, eigenen Nachwuchs haben zu wollen.
Abgesehen davon, dass bereits in der Schwangerschaft gutgemeinte Ratschläge von Tanten und Omas auf die Abschaffung der Katze drängen werden und somit die werdenden Eltern enorm verunsichern können, geht die einzige wirkliche Gefährdung von einer Krankheit (Toxoplasmose) aus. Diese Infektionskrankheit ist weltweit verbreitet. Nachweisen konnte man sie bei ungefähr 400 Tierarten. Natürlich wird auch das „Säugetier Mensch” davon nicht verschont.

Ihren Namen verdankt die Toxoplasmose ihrer bogenförmigen Gestalt (griechisch toxon = Bogen). Die wissenschaftliche Bezeichnung des Erregers heißt Toxoplasma Gondii, abgeleitet von dem afrikanischen Nagetier GUNDI, bei dem es als erstes festgestellt wurde. Über die Hälfte aller Menschen wurden bis zu ihrem 20. Lebensjahr mit dem Erreger infiziert und bilden Antikörper gegen ihn aus. Noch stärker von ihm betroffen sind die mit uns lebenden Haustiere: Rind, Schwein, Hund und allen voran die Katze.

Um Hauptinfektionsquellen zu verdeutlichen, muss ein wenig näher auf den Erreger und dessen Vermehrung eingegangen werden: Die Toxoplasmose gehört zu den sogenannten Endoparasiten (Innenschmarotzer). Zu den wohl bekanntesten im Körper lebenden Schmarotzern zählen die Würmer. Die Endoparasiten teilen sich in drei große Gruppen auf:
  • Bandwürmer
  • Rundwürmer
  • Protozoenen (Einzeller).
Zur letztgenannten Gruppe gehört die Toxoplasmose. Die Protozoen sind einzellige Lebewesen, die bestimmte Gewebszellen befallen und sich dort vermehren, indem sie verschiedene Entwicklungsformen durchleben. Wir unterscheiden bei der Toxoplasmose zwei Vermehrungsarten: die geschlechtliche und die ungeschlechtliche. Bei der ungeschlechtlichen Vermehrung wird der Erreger oral aufgenommen, beispielsweise durch den Verzehr von befallenem rohen Fleisch bzw. schlecht gewaschenem Freilandsalat.
Er erzeugt im Darm durch Teilung mehrere Abkömmlinge, die wiederum andere Zellen befallen und dann hauptsächlich im Muskelgewebe als kleine winzige Zyste zur Ruhe kommen. Der Körper hat jetzt bereits Antikörper gebildet und ist somit lebenslang immun gegen eine erneute Infektion. Verzehrt nun eine Toxoplasmose-negative Schwangere ein Stück von einem zystendurchsetzten rohen Fleisch, z.B. Mett oder Mettwurst, so kann eine Infektion im ersten Schwangerschaftsdrittel eine Fehlgeburt auslösen und zu einem späteren Zeitpunkt eine Schädigung des Kindes zur Folge haben.

Bei der geschlechtlichen Vermehrung nimmt die Katze die zentrale Stellung ein, da sie als solches nur bei ihr erfolgen kann. So können sich bei ihr weibliche und männliche Entwicklungsformen der ungeschlechtlichen. Vermehrung in den Dünndarmwandzellen vereinigen und dort ei-ähnliche Gebilde hervorbringen, die dann mit dem Kot ausgeschieden werden. Noch sind diese sogenannten Ooszysten nicht infektiös und somit ungefährlich, doch bei bestimmten Bedingungen - dazu gehört ein feuchtwarmes Milieu - teilen sie sich nach zwei bis vier Tagen erneut und dies Entwicklungsform ist dann wiederum funktionstüchtig. Im Klartext bedeutet das für den Katzenhalter, dass, immer vorausgesetzt, die Katze scheidet zu diesem Zeitpunkt Ooszysten aus, eine tägliche Katzenkloreinigung die infektiöse Form der Ooszyten nicht entstehen lässt. Muss nun eine Schwangere das Katzenklo reinigen, sollte sie zur größeren Vorsicht Handschuhe tragen, obwohl - selbst wenn sie mit frisch abgesetztem Katzenkot in Berührung kommt, enthält er nur die ungefährliche Entwicklungsform der Ooszysten und eine Reinigung der Hände schließt jede Gefährdung des werdenden Lebens fast gänzlich aus.

Die Inkubationszeit der Katzen durch Aufnahme von Ooszysten beträgt von dem ersten Kontakt des Erregers bis zur Ausscheidung der aus dieser Infektion resultierenden Ooszysten drei bis fünf Wochen, im Gegensatz zur Erstinfektion mit zystenhaltigem Fleisch, bei welcher die Katze bereits nach drei bis neun Tagen zum Ausscheider wird. Die Ausscheidungsdauer kann bis zu 18 Tagen betragen. Sind die Ooszysten erst einmal ausgeschieden und haben dann auch das infektionsfähige Stadium erreicht, können sie unter guten klimatischen Bedingungen (feuchtwarm) bis zu eineinhalb Jahren infektiös bleiben. Ihre Feinde sind Hitze über 700° Celsius und Trockenheit. In einem gut durchgebratenen Stück Schweinesteak findet man also keine Toxoplasmoseerreger, jedoch können sehr wohl ein Sandkasten oder ein Blumenbeet die Infektionsquelle sein. Eine ebenfalls nicht unwesentliche Infektionsquelle sind Fliegen, die sich nach dem Kontakt mit infiziertem Katzenkot auf rohem Fleisch niederlassen. Viele Schwangere vergessen als Infektionsquelle auch oft geräucherte Mettwurst, Schinken oder Salami. Geräuchertes Fleisch ist nicht gekocht, sondern roh, und kann sehr wohl noch infektionsfähige Erreger enthalten. Rohe Milch und Eier sind keine Infektionsquellen der Toxoplasmose.

Eine Katze, die immer in der Wohnung gehalten und nur mit gekochtem Fleisch oder Dosenfutter gefüttert wird, stellt so gut wie keine Infektionsquelle dar. Sicherheitshalber kann man eine serologische Blutuntersuchung an seiner Katze durchführen lassen. Der günstigste Befund wäre ein niedrigpositiver Titer. Er bedeutet, dass die Katze zu einem früheren Zeitpunkt eine Infektion durchgemacht hat und nun immun ist. Ein hochpositiver Titer zeigt eine derzeit stattfindende Infektion an. Die Katze ist in diesem Fall gerade Ausscheider oder wird es in kürzester Zeit werden. In diesem Fall kann der Tierarzt anhand einer Kotuntersuchung feststellen, ob die Katze gerade Erreger ausscheidet. Entweder lässt die Schwangere jetzt höchstmögliche Vorsicht im Umgang mit der Katze walten oder gibt die Katze in gute Hände solange, bis der Tierarzt ein negatives Kotergebnis feststellt. Die Möglichkeit, dass die Katze gerade jetzt infektiös ist, ist sehr gering, wenn man bedenkt, dass selbst bei länderübergreifenden Kotuntersuchungen nur 1,5 % Katzen als derzeitige Ausscheider ermittelt wurden. Die Medikation bei einer Toxoplasmoseinfektion besteht aus der Gabe von Sulfonamiden, die man im Übrigen auch vorbeugend verabreichen kann, wenn sich z.B. eine Wohnungskatze trotz größter Vorsicht zu einem Feld-, Wald- und Wiesenspaziergang entschlossen hat. Ergab das Blutergebnis einen negativen Befund, hatte die Katze bisher noch keinen Kontakt mit dem Erreger, kann aber doch jederzeit infiziert werden. Auch die Schwangere hat die Möglichkeit, durch eine Blutuntersuchung feststellen zu lassen, ob sie bereits Kontakt mit dem Erreger hatte und somit geschützt vor jeder weiteren Infektion ist oder ob sie negativ ist und somit jederzeit infiziert werden kann.

Doch hierzu möchte ich noch eine besondere Anmerkung machen: In der Vergangenheit wurden in meinem Bekanntenkreis mehrere Katzenhalterinnen schwanger und alle ließen sich auf Toxoplasmose testen. Erfreulicherweise ergab bei allen die serologische Blutuntersuchung ein negatives Ergebnis. Als Katzenhalter ist man eventuell nun nicht gerade besondern glücklich, da ja nun eine Erstinfektion jederzeit möglich ist. In der einschlägigen Katzenliteratur und auch in humanmedizinischer Fachliteratur wurde sogar von einer Infektionsrate von bis zu 80 % berichtet. Wie konnte es also kommen, dass meine schwangeren Bekannten allesamt negativ waren? Eine Bekannte war sogar in der ersten Schwangerschaft positiv und in der zweiten negativ. Eine Anfrage bei einem speziellen Untersuchungslabor ergab Klarheit: Die Labore untersuchen das Blut nur auf eine derzeit stattfindende Infektion mit Toxoplasmose. Findet keine Infektion derzeit statt, wird dem behandelnden Gynäkologen ein negatives Blutergebnis genannt. Lässt also eine Schwangere ihr Blut auf Toxoplasmoseerreger untersuchen, sollte sie ihren Gynäkologen darum bitten, den aktuellen Toxoplasmose-Antikörpertiter bestimmen zu lassen. Aus ihm lässt sich dann erst eine frühere Infektion ableiten und somit auch den dauerhaften Schutz für das ungeborene Leben.

Mir persönlich ist nur eine Kindsschädigung durch Toxoplasmoseinfektion in der Schwangerschaft bekannt und diese Schwangere hatte während der gesamten Schwangerschaft keinerlei Kontakt mit einer Katze. Ist nun die lange Wartezeit vorbei und hat sich die Familie nun um einen Erdenbürger vergrößert, gibt es keine Gefährdung des Kindes durch eine Toxoplasmose-Infektion mehr, da sie sehr wahrscheinlich absolut symptomlos verlaufen wird. Es gibt also keinerlei Gründe, sich von einer Katze zu trennen, wenn ein Baby erwartet wird.

Rhesus-Unverträglichkeit

Bei rund 85% der Menschen ist das Blut Rhesus-positiv (RH+): Es enthält den sogenannten Rhesusfaktor, ein spezielles Protein, das an der Oberfläche der roten Blutkörperchen haftet. Bei etwa 15% aller Menschen ist dieser Rhesusfaktor nicht vorhanden, sie sind Rhesus-negativ (RH-). Normalerweise hat das Fehlen dieses Proteins keine negativen Auswirkungen auf den Organismus. Bei Blutübertragungen oder Schwangerschaften kann es allerdings zu ernsthaften Problemen kommen. Bekommt eine Frau mit Rhesus-negativem Blut ein Kind von einem Rhesus-positiven Mann, kann das Blut des Kindes Rhesus- positiv oder Rhesus-negativ werden. Ist das Blut des Kindes Rhesus-positiv, bilden sich im Körper der Schwangeren Abwehrstoffe gegen das Blut des Kindes. In einer erneuten Schwangerschaft gelangen diese Abwehrstoffe über die Plazenta in den fötalen Blutkreislauf und können – vorausgesetzt, dass das zweite Kind ebenfalls Rhesus-positiv ist – die roten Blutkörperchen zerstören und das Kind schädigen bzw. absterben lassen.

Frühzeitig erkannt ist die Blutunverträglichkeit heutzutage kein ernsthaftes Problem mehr. Die Rhesus-negative Mutter wird während der 28. bis 30. Schwangerschaftswoche (aber auch nach einer Fehlgeburt und nach einem Schwangerschaftsabbruch) mit einem speziellen Serum geimpft. Dieses sogenannte Anti-D-Globulin besteht aus Antikörpern, die sich gegen den RH-Faktor richten. Das Serum vernichtet alle fötalen RH+-Zellen im Blutkreislauf der Mutter, bevor das mütterliche Immunsystem Abwehrstoffe gegen RH+ bildet. Stimmt der Rhesusfaktor mit dem des Kindes überein, treten keine Schwierigkeiten auf.