Katzenfreunde Norddeutschland e.V.
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RA (Renal Amyloidose)
Amyloidose ist eine Stoffwechselerkrankung und kommt bei vielen Säugetieren vor – einschließlich dem Menschen – sowie bei verschiedenen Vogelarten. Amyloidose selbst ist eigentlich nicht die Krankheit, sondern die Folge von verschiedenen Krankheitsprozessen. Diese Krankheiten verursachen bindegewebs- und perivaskuläre Ablagerungen von fibrillären Proteinen (Amyloid), was schließlich zur Insuffizienz der betroffenen Organe führt. Die am häufigsten betroffenen Organe sind Leber, Herz, Niere, Knochenmark, Magen-Darm-Trakt, Atemwege und Lunge. Speziell bei den Katzen sind hauptsächlich die Nieren betroffen, jedoch Leberamyloidose und systemischer Befall (mehrere Organe) sind ebenfalls bekannt. Bei den Rassenkatzen kommt Amyloidose vermehrt bei Abessiniern und Somalis vor, aber auch andere Rassen können davon betroffen sein. Amyloidablagerungen werden in zwei Hauptarten unterschieden, die sehr verschieden voneinander sind. Jede Art wird mit zwei Buchstaben codiert. Jeder Code beginnt mit „A“ für Amyloid. Der zweite Buchstabe steht für die Art des Proteins, welches sich angesammelt und abgelagert hat.
  • Primäre Amyloidose „AL“ ist eine Plasmazellendisfunktion und kommt manchmal bei Knochenmarkerkrankungen vor
  • Sekundäre Amyloidose (auch reaktive Amyloidose genannt) „AA“ wird durch chronische Infektionen oder entzündliche Krankheitsprozesse verursacht.
Die chemische Zusammensetzung der Amyloidose variiert jedoch beträchtlich und hängt jeweils von der verursachenden Haupterkrankung ab. Amyloidose ist eine Stoffwechselerkrankung, kann aber auch als Knochenmarkerkrankung betrachtet werden und zwar deshalb, weil im Knochenmark die schützenden Antikörper hergestellt werden. Antikörper sind Proteine (Eiweiße), welche uns gegen Infektionen und Krankheiten schützen. Wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben, werden sie aus dem Körper ausgeschieden. Wenn nun aber Amyloid-Ablagerungen gebildet werden, heißt dies, dass die Knochenmarkzellen Antikörper produzieren, die nicht metabolisiert und demzufolge nicht ausgeschieden werden können.

Offensichtlich wird Amyloidose durch sehr verschiedene Mechanismen verursacht. Einige davon sind klar immunologischer Herkunft, andere wahrscheinlich nicht. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch folgende Feststellung: Bei Pferden, die für die Gewinnung von Antiseren über längere Zeit hyperimmunisiert wurden, ist das Auftreten einer massiven Amyloidose bekannt. Oder, so vertritt z. B. E. Gruys, Pathologe an der Vet. med. Fakultät von Utrecht, NL, die folgende Hypothese für Nierenamyloidose bei Rindern: „Erste Voraussetzung ist das Vorhandensein des sogenannten Vorläuferproteins SAA im Serum. Dieses wird wahrscheinlich von Granulozyten und Makrophagen gebildet. Normalerweise ist die Menge dieses Serumproteins sehr gering; sein Gehalt steigt aber unter pathologischen Umständen (z. B. nach Injektion von Endotoxin aus gramnegativen Bakterien) deutlich an („Akute Phase Protein“). Bei spontanen chronisch-eitrigen Entzündungen liegt im Serum über lange Zeit ein hoher Gehalt an SAA vor. Im sauren Milieu entsteht aus dem SAA das sogenannte SAAL, ein kleineres Proteinmolekül. Lysosomale Enzyme von Makro- und Mikrophagen können nun extrazellulär SAA bzw. SAAL (L = leichte Ketten von Immunglobulinen) spalten. Hierbei entsteht das typische Amyloidprotein AA, welches in der Folge zu Amyloidprotein aggregiert, womit der Prozess der Amyloidablagerung eingeleitet ist. Im Gefolge von Permeabilitätserhöhungen an der Endstrombahn kann das SAA die Blutbahn verlassen und sich zusätzlich im Bereich des bereits vorliegenden Amyloids niederschlagen. Bevorzugte Orte der 'Amyloidgenese sind in der Niere die glomerulären und intertubulären Basaimembranen.“ Im Übrigen wurde auch festgestellt, dass Katzen bei A-Hypervitaminose Amyloidablagerungen produzieren können.

Eine andere aufschlussreiche Beobachtung wurde vor einigen Jahren in den beiden Zoos von Cincinnati und Milwaukee gemacht: Beide besitzen Afrikanische Schwarzfußkatzen (Felis nigripes), welche miteinander verwandt sind. Allerdings hatte der Cincinnati-Zoo große Probleme mit seinen Tieren, welche er in großer Zahl wegen Amyloidose in relativ jungem Alter verlor. Milwaukee schien keine solchen Probleme zu haben. Man versuchte den „Unterschied“ dieser beiden verwandten Populationen herauszufinden und musste feststellen, dass die Cincinnati-Katzen an persistierenden Schnupfenproblemen litten. Außerdem fand man große Mengen von Vitamin A in diesen Katzen. Nachdem man das Ventilationssystem im Cincinnati-Zoo modernisiert hatte und das Schnupfenproblem reduziert war, hörten auch die Amyloidose-Todesfälle auf.

Leider helfen uns die bisher aufgezeigten Fakten und Theorien nicht viel weiter, wenn es darum geht, wie man mit dieser Krankheit umgehen soll. So sind auch die Frühdiagnosemöglichkeiten sehr beschränkt und Amyloidose kann mit Sicherheit meist erst beim toten Tier festgestellt werden und dementsprechend sind dann schon Nachkommen eventuell In mehreren Generationen vorhanden. Das Endstadium tritt bei den Katzen (häufiger vertreten bei Abessiniern und Somali-Katzen, aber auch Siam und Perser bzw. auch andere Rassen) meist im Alter zwischen zwei und sechs Jahren auf, jedoch sind jüngere wie auch ältere Tiere manchmal betroffen. Anzeichen, die auf eine eventuelle Amyloidose hinweisen können, sind Gewichtsverlust, glanzloses Fell, Erbrechen, Anämie, Durchfall, vermehrtes Trinken etc. Dies vor allem dann, wenn die Nieren betroffen sind. Da es jedoch unzählige andere Nierenerkrankungen gibt, welche dieselben Symptome hervorrufen, jedoch nicht Amyloidablagerungen involvieren, sind spezifische Untersuchungen unerlässlich (Blutbild, Chemie, Urinstatus). Biopsien von Nierengewebe an lebenden Tieren können zwar gemacht werden, sind jedoch sehr unzuverlässig. Das bedeutet, auch ein negativer Befund schließt Amyloidablagerungen nicht aus. Weiter weiß man auch, dass nicht nur die Nieren betroffen sein können. Serologisch findet man gelegentlich ein abnormes Protein (Vorläuferprotein), was ein Hinweis darstellen könnte.

Die Frage, die die Katzenzüchter natürlich am meisten beschäftigt, ist die, ob Amyloidose eine vererbbare Krankheit ist. Leider ist die mögliche Vererbung noch nicht wissenschaftlich abgesichert, aber ein rezessives Verhalten wird stark vermutet.