In den letzten Jahren suchen immer mehr Züchter der Rassen Maine Coon und
British Shorthair ihren Tierarzt auf mit der Bitte um
Untersuchung/Feststellung, ob das Tier Anzeichen der Hypertrophischen
Kardiomyopathie trägt. Die HKM (oder im englischen Sprachraum HCM) hat
hereditären Charakter und kann auf Grund ihres schnell fortschreitenden
Verlaufes zu verkürzten Lebenszeiten führen. Für die klinische Diagnostik
problematisch ist eine u.U. schwer erkennbare Symptomatik. Minimale
körperliche Anzeichen einer Herzerkrankung werden in der Regel von den
Tierhaltern nicht erkannt und können zum unerwarteten Herztod führen.
International hat sich die Herz-Ultraschalluntersuchung in Verbindung mit
dem Auskultationsbefund als Untersuchungsmethode der ersten Wahl zur
Feststellung einer HKM durchgesetzt. Erste Auswertungen der Echodimensionen
herzgesunder Maine Coons ergeben, dass trotz höheren Körpergewichts - im
Vergleich zu europäischen Hauskatzen - keine signifikanten Abweichungen in
den kardialen Dimensionen vorliegen. Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass
noch vor Veränderung der standardisiert zu messenden Wandstärken die Zunahme
der Papillarmuskeldicke typisch zu sein scheint für die HKM. Hier liegt ein
Problem in der subjektiven Einschätzung des Untersuchers.
Eine weitere Schwierigkeit der Beurteilung liegt in der zeitlich sehr
variablen Entwicklung dieser Herzmuskelerkrankung. Nach bisherigen
Erfahrungen ist die HKM frühestens im ersten halben Lebensjahr der Katzen
klinisch nachweisbar. Daher wird eine Erstuntersuchung zwischen dem 6. und
12. Lebensmonat verbindlich empfohlen. Der Abstand der Folgeuntersuchung
(jährlich, zweijährlich) richtet sich nach Befund und Häufigkeit der
Deckeinsätze, die schriftlich erfasst werden sollten im Zusammenhang mit
der Untersuchung.
Empfohlen wird, die Untersuchung nach einem standardisierten Protokoll zu
dokumentieren. Hier könnte der schwedische Untersuchungsbogen als Grundlage
dienen. Neben der besitzunterzeichneten Identifikation der Katze sind im
klinischen Protokoll der Auskultationsbefund und auffallende Abweichungen
im Rahmen der klinischen Allgemeinuntersuchung zu vermerken. Weiterhin
müssen gerätetechnische Angaben und die Messwerte des eindimensionalen
Echokardiogramms und die Befundung der zweidimensionalen Sonographie
aufgeführt werden. Dies kann ggf. durch eine Herzskizze mit Kennzeichnung
der hypertrophierten Areale spezifiziert werden. Darüber hinaus sollten
Flussmessungen des Blutes des links- und rechtsventrikulären Ein- und
Ausstromtraktes beurteilt und dokumentiert werden. Untersuchungsbegleitend
läuft ein EKG. Bei klinischer Symptomatik kann eine zusätzliche
Röntgenuntersuchung des Thorax sinnvoll sein.
Das Gesamtergebnis der Untersuchung sollte einfach und nahvollziehbar ohne
Punktesystem in
- Kein Hinweis auf Myokardhypertrophie zum Zeitpunkt der Untersuchung;
- Verdacht auf Myokardhypertrophie (Nachuntersuchung in … Monaten);
- Positiv im Sinne einer Myokardhypertrophie;
- Andere Veränderungen des Herzens
gegliedert sein. Die Zertifizierung erfolgt durch Unterschrift des
untersuchenden Tierarztes. Die Untersuchungskosten regelt die GOT,
Sonderpreise sind gesetzlich nicht zulässig. Die Erfahrungen mit
den bisher freiwillig laufenden Untersuchungen zeigen, dass die
Kosten tragbar sind.
Die Erfahrungen mit dem Umgang kardialer Zuchtprogramme beim Hund zeigen,
dass je länger die Probleme mit angeborenen Herzmissbildungen in den Verbänden
geduldet werden, desto größer sind die Schwierigkeiten, die Selektion
erfolgreich voranzutreiben. Nur eine lückenlose Dokumentation der
zuchtrelevanten Tiere kann eine exakte Einschätzung der Verbreitung und
Bedrohung einer gesunden Weiterzucht der HKM-betroffenen Rassen gewährleisten.
© Arbeitsgruppe Kardiologie der Fachgruppe Kleintierkrankheiten der Deutschen
Veterinärmedizinischen Gesellschaft e.V.
gez. Dr. Ralf Tobias, 1. Vorsitzender FTA für Kleintiere,
Schwerpunkt Kardiologie, Hannover