Katzenfreunde Norddeutschland e.V.
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Wenn das Katzenauge eitert ...
Frühzeitige und konsequente Therapie ist wichtig -
die Folgen einer unbehandelten Bindehautentzündung
Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) tritt bei Katzen häufig auf. Sie kann für sich allein vorkommen, aber auch Erst- oder Begleitsymptom einer Erkrankung des Auges oder des gesamten Organismus darstellen. Bei der Katze findet sie sich am häufigsten im Zusammenhang mit dem so genannten Katzenschnupfen, einer durch Viren (vor allem Herpes- und Caliciviren) bedingten und bakteriell komplizierten Infektionskrankheit. Nur durch eine frühzeitige und regelmäßig durchgeführte Behandlung lassen sich schwere Folgen für das Auge verhindern.

Die Bindehäute des Auges sind eine der Eintrittspforten, über die die Erreger des Katzenschnupfens in den Körper der Katze gelangen. Als erste Reaktion, meist noch vor dem Auftreten allgemeiner Krankheitserscheinungen wie Fieber und Mattigkeit, stellt sich heftiger wässriger Augenausfluss ein, verbunden mit Rötung und Schwellung der Bindehäute sowie Lichtscheue. Der Prozess kann einseitig beginnen, greift dann jedoch auf das zweite Auge über. In kurzer Zeit wird das Sekret schleimig-eitrig. Es klebt an den Lidern und der Umgebung der Augen und führt zur Lidrandentzündung. Auf Grund von Schmerzen wird das Auge zusammengekniffen, es kommt zum Lidkrampf. Eingetrocknetes Sekret kann Ober- und Unterlid miteinander verbinden, so dass die Katze das Auge nicht mehr öffnen kann.

Manche Katzenwelpen zeigen eine derartige schwere Konjunktivitis ohne ausgeprägte Symptome von Seiten des Atmungstraktes und machen auch insgesamt einen munteren Eindruck. Deshalb greift der eine oder andere Katzenbesitzer zu "altbewährten Hausmitteln" wie Kamillentee und versucht einige Zeit lang, die Infektion durch Auswaschen der Augen in den Griff zu bekommen. Dieses Vorgehen hat jedoch keinen Erfolg, da sich die Entzündungserreger dadurch nicht beseitigen lassen. Schlimmer noch, die Entzündung kann sich ungehindert ausbreiten und weitere Teile des Auges erfassen. Je länger sie ohne spezifische Therapie bleibt, desto schwerwiegender sind die Folgen.

Verklebungen durch die Entzündungsprodukte entstehen nicht nur an den Lidern, sondern auch an den Bindehäuten, die die Innenseite der Lider und Teile des Augapfels überziehen. Bei chronischem Verlauf werden daraus Verwachsungen, die das Öffnen des Auges beeinträchtigen können und nur noch chirurgisch zu lösen sind. Häufig betreffen diese das Unterlid und das dritte Augenlid. Das beim gesunden Tier im inneren Augenwinkel verborgene dritte Augenlid ist dadurch im vorgefallenen Zustand fixiert und deshalb sichtbar.

Durch die Verwachsungen werden zudem meist die Abflusswege der Tränenflüssigkeit blockiert. Deren Beginn, die so genannten Tränenpünktchen, befinden sich auf der Ober- und Unterlidkante im Bereich des inneren Augenwinkels. Die Katze leidet als Folge der überstandenen Infektion dann unter permanentem Tränenfluss, sichtbar an einer Tränenstraße vom inneren Augenwinkel in Richtung Nase. Um diesen zu beheben, ist in aller Regel das operative Anlegen eines neuen Abflussweges für die Tränenflüssigkeit notwendig. Nur selten gelingt es - unter Voraussetzung noch vorhandener, also nicht verwachsener Tränenpünktchen -, Entzündungsprodukte aus dem Tränenkanal zu spülen und diesen wieder durchgängig zu machen.

Die Beteiligung von Herpesviren lässt das Krankheitsgeschehen schnell auf die Hornhaut (Kornea) übergreifen. Durch den Entzündungsprozess erscheint die normalerweise durchsichtige Kornea milchig getrübt. Aus der Bindehaut und von tieferen Augenstrukturen sprossen Blutgefäße in die sonst gefäßlose Hornhaut ein. Ihre Oberfläche wird angegriffen und in ihrem Zentrum entsteht ein Hornhautgeschwür, das beträchtliche Ausmaße annehmen kann.

Im Geschwürbereich wird die Hornhaut immer dünner und kann schließlich einreißen. Das Kammerwasser des Auges, das die rundliche Form des vorderen Augenabschnittes bewirkt, fließt ab, wodurch das Auge schrumpft. Im günstigen Fall legt sich die Regenbogenhaut (Iris) von innen an den Hornhautdefekt an, verwächst mit diesem Bereich und verschließt so das Loch in der Hornhaut. Die Pupille, die von der Iris gebildet wird, ist dadurch dauerhaft deformiert. Sie kann nicht mehr wie bei einem gesunden Auge auf die Lichtstärke mit Verengung bzw. Erweiterung reagieren. Weit schwerwiegender sind die Folgen, wenn Bakterien über die Öffnung in der Hornhaut in das Innere des Auges eindringen. Meist kommt es dann zu einer eitrigen Einschmelzung des gesamten Augapfels, der in diesem Stadium unrettbar verloren ist.

Einen ähnlich drastischen Verlauf kann die infektiöse Augenentzündung der Neugeborenen nehmen. Sie tritt bei Jungtieren auf, deren Augen noch nicht geöffnet sind. Unter den geschlossenen Lidern kommt es zur Eiteransammlung, durch die die Lider vorgewölbt werden. Manchmal entleert sich der Eiter aus einer kleinen Öffnung der sonst noch verschlossenen Lidspalte. Auch hier kann eine ausbleibende frühzeitige Behandlung den Verlust des Auges zur Folge haben.

Das Auge ist ein empfindliches Organ und reagiert auf äußere Reize und Infektionserreger schnell und heftig. Wir kennen das aus eigener Erfahrung bei einer beginnenden Grippe oder wenn uns beispielsweise eine Wimper ins Auge geraten ist und nicht umgehend entfernt wird. Das Auge tränt, schmerzt, die Bindehäute röten sich und der Zustand verschlechtert sich zusehends. Eine baldige Therapie des entzündeten Auges ist deshalb oberstes Gebot. Sie muss spezifisch auf die Erreger ausgerichtet sein, weshalb der Tierarzt gegebenenfalls Abstriche aus dem Auge zur Untersuchung entnimmt. Medikamente kommen in Form von Augensalben oder Augentropfen zur Anwendung. Sie müssen regelmäßig täglich und ausreichend lang, d.h. über den Heilungsprozess hinaus bzw. nach Anweisung des Tierarztes, in die Augen eingebracht werden. Nur durch eine konsequente Behandlung lassen sich die Erreger beseitigen und ein Wiederaufflammen der Entzündung nach anfänglicher Besserung verhindern.