Katzenfreunde Norddeutschland e.V.
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Gesundheit
Grundsätzlich gilt nach §1 des Tierschutzgesetzes:
Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Wer Tiere züchtet, muss sich also im Klaren darüber sein, dass er auch die Verantwortung für das Leben und das Wohlergehen der Nachkommen übernimmt sowie für deren art- und verhaltensgerechte Unterbringung und Pflege Sorge zu tragen hat.

Die Durchsetzung dieses Grundsatzes bei der Zucht von Tieren regelt §11b des Tierschutzgesetzes:

Danach ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch bio- oder gentechnische Maßnahmen verändern, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, den bio- oder gentechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.
Ebenso ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten. Das Verbot gilt auch, wenn die Haltung dieser Tiere nur unter Bedingungen möglich ist, die bei ihnen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt.

An dieser Stelle möchte ich ganz deutlich betonen, dass der §11b auf die „Nachzucht“ abzielt.

Schmerzen, Leiden oder Schäden, die den Tieren durch züchterische Maßnahmen zugefügt werden, stehen also in krassem Widerspruch zum Tierschutzgesetz und damit zu einer Hobbyzucht, die ja bekanntermaßen auf Tierliebe basiert.
Alle Züchter behaupten, ihre Tiere zu lieben; die praktizierte Fürsorge mit der Gesundheit lässt aber in vielen Fällen berechtigte Zweifel daran aufkommen.

Die Züchter tragen die Verantwortung für das Zuchtresultat.
Durch gezielte Selektion, also die Auswahl bestimmter Tiere mit bestimmten Eigenschaften, haben sie die Möglichkeit, Merkmale wie Gestalt, Körperproportionen, Ausprägung einzelner Organe oder auch das Verhalten von Tieren gezielt zu beeinflussen.

Auf Grund ihrer enormen Verantwortung gegenüber den Tieren sollten Züchter die notwendigen Zusammenhänge und Folgen ihres Handels kennen und beachten, da sonst die Gefahr besteht, dass sie mit ihren Zuchtzielen das Wohl ihrer Tiere beeinträchtigen und damit vorsätzlich oder fahrlässig gegen den §11b verstoßen.

Seriöse Züchter bringen daher ihre Zuchtziele mit der gesetzlichen Vorgabe in §11b und ihrer Verantwortung für die Tiere in Einklang.
Sie verpaaren gezielt unter Beachtung des Tierschutzgesetzes nur psychisch und physisch geeignete und genetisch gesunde Katzen miteinander.

Ihre obersten Zuchtziele sind Gesundheit, Vitalität und Widerstandskraft der gezüchteten Tiere.

Trotz aller Vorsorgemaßnahmen lassen sich Mutationen als Ursache von Genveränderungen nicht grundsätzlich verhindern.
Deshalb muss auch in der Katzenzucht immer wieder mit einer mehr oder weniger großen Anzahl von Defektgenen gerechnet werden.

Den Züchtern ist also nicht in erster Linie der Vorwurf zu machen, dass in den Zuchten genetische Defekte auftreten, die zu Schmerzen und Leiden führen; der Vorwurf besteht vielmehr darin, dass ihr Auftreten stillschweigend geduldet oder sogar zum Zuchtziel erklärt wird.

Der seriöse Züchter, der sein Hobby verantwortungsbewusst betreibt, muss also in Zukunft noch mehr als bisher darauf bedacht sein, die Häufigkeit dieser Defektgene in seiner Zucht so gering wie möglich zu halten. Tiere, die Träger von Genen bzw. eindeutig erblich bedingten Merkmalen sind, welche für den Züchter direkt erkennbar oder diagnostisch zugänglich sind und die bei der Nachzucht zu mit Schmerzen, Leiden oder Schäden verbundenen Merkmalen führen können, müssen aus der Zucht ausgeschlossen werden.

An dieser Stelle nun möchte ich nur einige Beispiele für genetisch bedingte Defekte und Krankheiten nennen, die speziell in der Katzenzucht eine Rolle spielen.

Sie kommen z.T. sporadisch bei allen Katzenrassen vor, treten aber z.T. auch familiär gehäuft in bestimmten Rassen auf.

Als offensichtliche Beispiele sind hier zu nennen:

Defekt/Krankheit: Merkmale:
Schwanzlosigkeit
(z.B. Manx)
weitere Wirbelverwachsungen, gesteigerte Schmerzempfindlichkeit im Schwanzbereich.
Zwergwuchs
(z.B. Dackelkatze)
Veränderungen im Bereich der Zwischenwirbelscheiben und der Bandscheiben.
Anomalien des äußeren Ohres
(z.B. Scottish Fold)
weitere Knorpel - und Knochenschäden
Kurzköpfigkeit
(z.B. extreme Perser)
Verkürzung des Oberkiefers, Verengung der oberen Atemwege und des Tränenkanals, Einwärtsdrehen des Augenlidrandes, Vorbiss, Überbiss und Schiefbiss.


Als nicht so offensichtliche Beispiele, für deren Erkennung also eine tierärztliche Untersuchung notwendig ist, seien an dieser Stelle genannt:

Defekt/Krankheit: Merkmale:
PKD Polyzistische Nierenerkrankung - führt zu Nierenversagen
PRA Progressive Retina - Atrophie - führt zur Erblindung
HD Hüftgelenksdysplasie - führt zu Lahmheit
Patellaluxation führt zu ständigen Kniescheibenverschiebungen
HKM hypertrophische Kardiomyopathie – führt zum plötzlichen Herztod
Spezielle Problematik bei weißen Katzen Taubheit
Knickschwanz  


Um die zur Zeit bestehenden Missstände in der Katzenzucht zu ändern, ist die Eigeninitiative jedes verantwortungsbewussten Züchters gefordert. Er muss die bislang verfolgten Zuchtziele kritisch überprüfen und gegebenenfalls auch Konsequenzen ziehen.

Übertypisierungen bei einzelnen Rassen müssen vermieden werden und Tiere, die an einer angeborenen gesundheitlichen Beeinträchtigung oder einer Verhaltensanomalie leiden, die bei den Nachkommen zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen könnten, müssen konsequent aus der Zucht genommen werden. Die Gesundheit der Tiere muss grundsätzlich an erster Stelle stehen.

Es ist wichtig, dass nicht das einzelne Tier der Maßstab ist, sondern die ganze Rasse. Bei den meisten die Gesundheit betreffenden Merkmalen kann nur dann eine Verbesserung erwartet werden, wenn alle Züchter mitmachen. Der einzelne Züchter muss erkennen, dass eine wirksame Begrenzung von genetischen Defekten nur durch ein Miteinander aller Züchter und Vereine erreicht werden kann.

Außerdem müssten alle Zuchttiere und deren Nachkommen gekennzeichnet werden (hier bietet sich der Chip an), um deren Abstammung und Herkunft erkennen zu können und somit auch den verantwortlichen Züchter in die Pflicht nehmen zu können.

Ich höre einige von Ihnen nun sagen:
„So ein Umstand!“ – „Alles viel zu teuer!“ – „Wer soll das denn alles bezahlen!“ –
"Ich will doch nur einmal ein paar niedliche kleine Kätzchen haben!“


Aber gerade in den eben genannten Punkten unterscheiden sich die verantwortungsbewussten und seriösen Züchter, die um das Wohlergehen ihrer Tiere bemüht sind und ihre Verantwortung für das Tier als Mitgeschöpf wirklich ernst nehmen, von den sog. „Katzenvermehrern“, die gedankenlos aus reiner Profitgier Tiere unkontrolliert wie am Fließband produzieren.
Das Wohl des einzelnen Tieres wird dabei nicht berücksichtigt. Muttertiere werden als reine Wurfmaschinen missbraucht, die in kurzer Zeit möglichst viele Kitten bringen sollen. Die Tiere werden unter meist katastrophalen Bedingungen gehalten, sind oft verhaltensgestört und werden entweder krank an den neuen Besitzer abgegeben oder erkranken kurz nach dem Verkauf.

An dieser Stelle möchte ich es auch nicht versäumen, auf den § 11 Abs.1 Nr.3a des Tierschutzgesetzes hinzuweisen.
Hiernach benötigt ein Tierhalter die Erlaubnis der zuständigen Behörde, wenn er "gewerbsmäßig“ Katzen oder andere Haustiere züchten oder halten will, wobei "gewerbsmäßig“ aber nicht mit dem Begriff der Gewerbeordnung - "gewerblich“ - gleichzusetzen ist.

Gewerbsmäßig im Sinne des Tierschutzgesetzes kann durchaus auch derjenige handeln, der kein Gewerbe im Sinne der Gewerbeordnung betreibt.

Hintergrund für die „gewerbsmäßige“ Regelung im Tierschutzgesetz ist, dass auch Hobbyzüchter hinsichtlich der Tierschutzauflagen im Auge behalten werden sollen und dass dubiose "Hinterhofzuchtbetriebe“ und "Katzenvermehrer“ kontrolliert werden können.

Was man nun unter „gewerbsmäßigem Züchten“ versteht, ist in der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Tierschutzgesetzes (AVV) vom 09.02.2000 wie folgt erklärt:

Ein Katzenzüchter züchtet in der Regel dann gewerbsmäßig, wenn seine Haltungseinheit folgenden Umfang erreicht:

  • 5 oder mehr fortpflanzungsfähige Katzen oder 5 oder mehr Würfe pro Jahr. (Es zählen nur die weiblichen Tiere !!)
  • Als Haltungseinheit gelten dabei alle Katzen eines Züchters, auch wenn diese an unterschiedlichen Einrichtungen gehalten werden, aber auch die Haltung von Tieren mehrerer Züchter, wenn Räumlichkeiten, Ausläufe und Ähnliches gemeinsam genutzt werden.
  • Voraussetzung ist weiter, dass die Tätigkeit des Züchtens selbstständig, planmäßig, fortgesetzt und mit der Absicht der Gewinnerzielung ausgeübt wird. Das zuletzt genannte Kriterium wird in der Regel bei einer seriösen Hobbyzucht von Katzen nicht vorliegen, doch kommt es bei dieser Regelung nicht auf einen steuerlichen Gewinn an, sondern lediglich darauf, dass Umsatz geschrieben wird.

Genau wie das Tierschutzgesetz gelten auch seine Ausführungsbestimmungen bundesweit. Ein Antrag auf Erlaubnis nach § 11 Abs.1 Nr.3a Tierschutzgesetz ist bei den Veterinärämtern des Landkreises bzw. der kreisfreien Stadt, wo sich die Haltungseinheit befindet, zu erhalten.

Damit bin ich am Ende meiner Ausführungen angekommen. Zum Schluss möchte ich noch einen ganz persönlichen Wunsch äußern:

Sowohl unter den Züchtern wie auch unter den verschiedenen Vereinen sollte man sich in Zukunft wieder mehr auf das Motto besinnen:

Nicht gegeneinander, sondern miteinander und auf jeden Fall immer
zum Wohle unserer geliebten Samtpfoten!