Katzenfreunde Norddeutschland e.V.
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Gebührenordnung für Tierärzte - was ist das?
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist eine Rechtsverordnung, die vorschreibt, wie tierärztliche Leistungen abzurechnen sind. Sie wird von der Bundesregierung erlassen, um die berechtigten Interessen von Tierhalter und Tierarzt zu wahren.

Seit dem 08.Juli 2008 ist eine geänderte GOT in Kraft!
Die GOT ist für alle praktizierenden Tierärzte bindend !

Von Bedeutung für den Tierhalter sind ein überschaubarer Gebührenrahmen und die Qualität der tierärztlichen Leistung. Das Honorar sichert nicht nur den Lebensunterhalt des Tierarztes, sondern deckt auch die Kosten und den Investitions- und Innovationsbedarf der tierärztlichen Praxis.

Rund 800 tierärztliche Einzelleistungen und Behandlungsschritte sind im Gebührenverzeichnis der GOT mit ihrem Gebührensatz beziffert. Das Gebührenverzeichnis enthält keine Endpreise bei Behandlungen. Die Gebührensätze der medizinischen Einzelschritte müssen nach dem Baukastensystem kombiniert werden, um eine vollständige Behandlung berechnen zu können. Dies ist notwendig, um den individuellen Behandlungsbedürfnissen der Patienten gerecht zu werden.

Die Gliederung in einzelne Behandlungsschritte erfordert medizinisches Verständnis und ist für den Laien nicht immer ohne Erläuterung nachvollziehbar. Missverständnisse und Missinterpretationen sind daher nicht selten, insbesondere wenn in Presseberichten aus der GOT zitiert wird.
Struktur des Gebührenverzeichnisses:
Struktur des Gebührenverzeichnisses
Anwendung des Gebührenverzeichnisses:
Collie Timm, 7 Jahre, soll wegen einer Prostatazyste kastriert werden. Die Diagnose „Prostatazyste“ wurde durch Voruntersuchungen ermittelt, die bei diesem Beispiel unberücksichtigt bleiben.

Durch eine „Allgemeine Untersuchung“ stellt der Tierarzt die Narkosefähigkeit des Patienten fest. Für den Eingriff wählt er eine Injektionsnarkose, d.h. Timm erhält ein flüssiges Narkosemittel, das in eine Vene gespritzt wird. Nach der Kastrationsoperation braucht Timm zum Schutz vor Infektionen ein Antibiotikum, das ihm durch eine Infektion unter die Haut verabreicht wird.

Beispiel einer Abrechnung...

Das Beispiel zeigt: Der in der GOT aufgeführte Begriff "Kastration" bezeichnet lediglich den operativen Eingriff, nicht aber alle Maßnahmen, die zur Durchführung einer Kastration notwendig sind.

Zu den Grundleistungen einer tierärztlichen Praxis gehört immer eine Untersuchung des Patienten; alle weiteren Maßnahmen hängen vom Ergebnis der Erst-Untersuchung ab. Würde der Tierarzt Anzeichen einer Herzerkrankung feststellen, müssten zunächst Herz und Kreislauf eingehender untersucht werden. Möglicherweise könnte ein anderes Narkoseverfahren erforderlich sein und eine intravenöse Infusion notwendig werden, um bei einem narkoseempfindlichen Risikopatienten die Kastration ohne Gefährdung durchzuführen. Solche individuellen Leistungen können im Gebührenverzeichnis nicht mit Pauschalpreisen berücksichtigt werden.
Was darf der Tierarzt berechnen?
Gebühren:
Tierärztliche Leistungen dürfen nur mit dem Ein- bis Dreifachen des jeweiligen Gebührensatzes berechnet werden. Innerhalb dieses Rahmens kann der Tierarzt den Multiplikationsfaktor nach den besonderen Umständen des einzelnen Falles (z.B. erhöhter Schwierigkeitsgrad bei Operationen, örtliche Verhältnisse, nächtliche Einsätze) bestimmen. Über- und Unterschreitungen dieses Gebührenrahmens sind nur in begründeten Einzelfällen und nur nach vorheriger schriftlicher Vereinbarung zulässig.

Für einige tierärztliche Leistungen, die wesentlich durch einen Zeitfaktor bestimmt sind (z.B. Befunderhebung in der Tierverhaltenstherapie oder bei Naturheilverfahren), kann eine zusätzliche Zeitgebühr berechnet werden. Auf den möglicherweise entstehenden Zeitaufwand muss vor der Behandlung hingewiesen werden. Die Zeitgebühr beträgt 14,30 € / 15 Minuten.

Arzneimittel:
Angewendete und abgegebene Arzneimittel müssen nach der geltenden Arzneimittelpreis-Verordnung in Rechnung gestellt werden.

Materialien:
Verbrauchsmaterialien wie z.B. Einmalspritzen, Kanülen, Tupfer, Nahtmaterial sind in den Gebührensätzen nicht enthalten und dürfen daher gesondert abgerechnet werden.

Barauslagen:
Portogebühren für Laborversand und ähnliche Auslagen dürfen ebenfalls in Rechnung gestellt werden.

Fahrtkosten:
Für Besuche und den damit verbundenen Zeitaufwand erhalten Tierärzte Wegegeld in Höhe von 2,30 € je Doppelkilometer, mindestens jedoch 8,60 € (tagsüber). Nachts, an Feiertagen und Wochenenden sind 3,40 € je Doppelkilometer, mindestens jedoch 11,40 € zu veranschlagen.

Mehrwertsteuer:
Für tierärztliche Leistungen ist ebenso wie für Arzneimittel und Verbrauchsmaterialien Mehrwertsteuer zu berechnen. Da die Gebührensätze der GOT keine Mehrwertsteuer enthalten, muss diese gesondert hinzugerechnet werden.
Fragen und Antworten zur tierärztlichen Abrechnung
Kann ich eine Rechnung verlangen?
Sicher wird Ihr Tierarzt Ihrem Wunsch gern nachkommen, auch wenn ihm die GOT das Ausstellen einer Rechnung nicht direkt vorschreibt. Das Dokument sollte mindestens enthalten:
  • Datum
  • Tierart
  • Diagnose
  • berechnete Leistung
  • Rechnungsbetrag
  • Arzneimittel
  • Material
  • Mehrwertsteuer
Sie können vom Tierarzt verlangen, dass er die Rechnung noch weiter aufgliedert.

Kann ich einen Kostenvoranschlag bekommen?
Über die voraussichtlichen Kosten notwendiger Untersuchungen und sich daraus ergebender Behandlungen wird Sie Ihr Tierarzt gern informieren. Ein Kostenvoranschlag im klassischen Sinn ist in der tierärztlichen Praxis jedoch nicht möglich, weil sich tierärztliche Behandlungen und Eingriffe individuell nach dem Zustand des Patienten richten.

Ist das Tierarzthonorar erfolgsabhängig?
Tierärztliche Leistung wird auf der Basis eines Dienstvertrages erbracht. Deshalb handelt es sich beim tierärztlichen Honorar nicht um ein Erfolgshonorar. Es steht dem Tierarzt für seine erbrachten Leistungen zu, auch wenn sich der einmal erhoffte Behandlungserfolg nicht einstellen sollte.

Muss ich die Behandlungskosten für ein verletztes Fundtier zahlen?
Einen honorarpflichtigen Dienstvertrag mit dem Tierarzt geht auch derjenige ein, der für ein verletzt aufgefundenes Wildtier oder ein herrenloses Fundtier tierärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Wer in einem solchen Fall letztendlich die Kosten zu tragen hat, ist nicht immer klar, denn eine bundeseinheitliche Regelung gibt es dafür leider nicht.

Kann ich eine tierärztliche Rechnung prüfen lassen?
Wenn Sie Fragen zu Ihrer Tierarztrechnung haben, sprechen Sie bitte Ihren Tierarzt offen darauf an. Er wird Ihnen gern ausführliche Erläuterungen geben. Sollten Sie weitere Informationen wünschen, ist die zuständige Landestierärztekammer der Ansprechpartner für Ihr Anliegen.

Die aktuelle Version der tierärztlichen Gebührenordnung können Sie hier einsehen!